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Krank und trotzdem Marathon laufen ?


Ein Arbeitnehmer, der aufgrund eines Fahrradunfalls wegen Bruch des linken Schulterblatts krank geschrieben war (AU-Bescheinigung lag vor), hat 12 Tage nach seinem Unfall an einem 53km Lauf in Österreich teilgenommen, einige Wochen später nahm er am  Schw.-Alb-Marathon (50 km) teil. Beide Läufe fanden während seiner Arbeitsunfähigkeit statt.

Der Arbeitgeber bekam dies mit und hat fristlos gekündigt.
Die Kündigung war rechtsunwirksam aus Sicht des ArbG Stuttgart.

Denn die Krankschreibung besagt lediglich, dass der Arbeitnehmer seiner vertraglich geschuldeten Tätigkeit nicht nachkommen kann, nicht aber, dass er auf anderweitige Aktivitäten verzichten muss, soweit diese den Heilungsprozess nicht verzögern.

ArbG Stuttgart vom 22.3.2007, Az.: 9 Ca 475/06

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Der hohe Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung


Nichts neues, aber wieder einmal entschieden:

Ein nicht zu widerlegender Verdacht, dass ein Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit nur vortäuscht und im vermeintlichen Krankheitszeitraum Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bezieht, rechtfertigt generell eine außerordentliche Kündigung. Legt ein Arbeitnehmer jedoch ein ärztliches Attest vor, so begründete dieses in der Regel den Beweis für die Tatsache der arbeitsunfähigen Erkrankung. Ein solches Attest hat einen hohen Beweiswert, denn es ist der gesetzlich vorgesehene und wichtigste Beweis für die Tatsache der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit. Bezweifelt der Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit, dann muss er die Umstände, die gegen die Arbeitsunfähigkeit sprechen, näher darlegen und notfalls beweisen, um dadurch die Beweiskraft des Attestes zu erschüttern.

Urteil des LAG Hessen vom 28.11.2012, Az.: 18 Sa 695/12

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