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Altersdiskriminierung wenn fingierter Bewerbung der Vorzug gegeben wird ?


Sachverhalt:

Ein 50-Jähriger bewarb sich auf eine Stelle als Servicetechniker. Zusätzlich schickte er die Bewerbung einer erfundenen, deutlich jüngeren Person, dessen Praxiserfahrungen wesentlich aktueller waren. Die fiktive Person wurde zum Gespräch eingeladen, der 50-Jährige nicht.

Die unbemerkt getestete Arbeitgeberin lud den erfundenen Bewerber umgehend zum Vorstellungsgespräch ein. Dieser sagte sofort ab. Dem Kläger schickte die Arbeitgeberin einige Zeit später eine allgemeine Absage. Daraufhin klagte er auf Zahlung einer Entschädigung von mindestens 10.500,00 Euro wegen Altersdiskriminierung.

Nachdem die erste Instanz dem 50-jährigen eine Entschädigung von 2.000,00 EUR zugesprochen hat, hob das LAG die Entscheidung in zweiter Instanz auf.

Nach der Entscheidung des Landesarbeitsgerichts liegen keine Indizien für die Vermutung vor, dass der Kläger „wegen“ seines Alters nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen, also benachteiligt worden ist. Allein auf das Bestehen eines Altersunterschiedes kann nicht abgestellt werden. Andere Indizien hatte der Kläger nicht darlegen können.

Ist aufgrund konkreter Tatsachen, die im Arbeitsleben üblicherweise von Bedeutung sind, für den getesteten Arbeitgeber Raum für eine andere Auswahlentscheidung, besteht keine Vermutung für eine Altersdiskriminierung. Das war hier der Fall. Aus Sicht des Landesarbeitsgerichts hatte die Arbeitgeberin ihre Auswahlentscheidung auf die nach der Papierform aktuelleren Erfahrungen des fiktiven Bewerbers im Bereich der elektronischen Entwicklung und von diesem jahrelang durchgeführten Kundensupport gestützt.

LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 09.04.2014 – 3 Sa 401/13

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Suche Berufseinsteiger – derartige Stellenausschreibungen verstoßen gegen AGG


Das LAG Düsseldorf (Az. 13 Sa 1198/13) hat darauf hingewiesen, dass in der vorliegenden Stellenanzeige, in welcher ein Berufseinsteiger oder jemand mit ein- bis zweijähriger Berufserfahrung gesucht wurde, wohl von einem diskriminierenden Sachverhalt auszugehen sein dürfte, in dem Sinne, dass potenzielle Bewerber wegen ihres Alters ausgeschlossen würden.

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Eingeordnet unter AGG, Individualarbeitsrecht

Altersbenachteiligung, Verstoß gegen § 1 AGG


Eine weniger günstige Behandlung wegen des Alters im Sinne des AGG liegt bereits dann vor, wenn Anknüpfungspunkt oder Motivation der Benachteiligung das Alter ist. Es ist ausreichend, dass das Alter Teil eines Zusammenschlusses mehrerer Motive ist, der die Entscheidung beeinflusst hat; es kommt hierbei nicht auf ein schuldhaftes Verhalten oder eine Benachteiligungsabsicht an. Hinsichtlich der Kausalität bedient der Beschäftigte die ihm obliegende Darlegungslast in ausreichendem Maße, wenn er Indizien vorträgt, die seine Benachteiligung wegen eines in § 1 AGG genannten Merkmals vermuten lassen. Dabei muss aus den Tatsachen wiederum aus objektiver Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf geschlossen werden können, dass die Benachteiligung wegen dieses Merkmals erfolgt ist.

Urteil des ArbG Köln vom 23.01.2013, 3 Ca 3734/12

 

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