Handgreiflichkeit unter Kollegen – fristlose Kündigung ?


Das kommt auf die Intensität der Handgreiflichkeit an, so das LAG Hamm.

Im zu entscheidenden Fall war es zu Streit zwischen zwei Beschäftigten gekommen, wobei ein bereits einschlägig abgemahntes Ersatzmitglied des Betriebsrats seinen Kollegen am Kragen gepackt haben soll.

Das Landesarbeitsgericht Hamm erklärte die fristlose Kündigung für unwirksam. Grundsätzlich stellen Handgreiflichkeiten unter Kollegen zwar einen Kündigungsgrund dar.

Im Einzelfall hänge es aber von der Schwere des Pflichtverstoßes ab, also von der Intensität und den Folgen eines tätlichen Angriffs, ob die schwerste arbeitsrechtliche Sanktion einer fristlosen Kündigung gerechtfertigt ist oder nur der Ausspruch einer ordentlichen Kündigung oder gar nur einer Abmahnung. Der Angriff sei im Verhältnis zu anderen denkbaren Tätlichkeiten wenig intensiv abgelaufen, urteilte das Gericht. Dem Kläger kam zugute, dass er bereits dreieinhalb Jahre angestellt und seiner Frau und zwei Kindern unterhaltspflichtig ist – unter diesen Voraussetzungen erschien eine fristlose Kündigung zu hart. Die Abmahnungen waren für die hier vorliegende fristlose Kündigung ebenfalls irrelevant, obwohl sie sich auf einen ähnlichen Vorfall stützten. Dennoch hätte beides zusammen höchstens für eine ordentliche Kündigung gereicht.

 

LAG Hamm vom 14.08.2015, Az.: 13 Sa 576/15

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Eingeordnet unter Fristlose Kündigung, Individualarbeitsrecht

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